Warum ein Jurist Unternehmen bewertet
Ich lese Geschäftsberichte wie Verträge. Das ist keine Metapher, sondern eine Arbeitsweise: nicht die Geschichte suchen, sondern die Stelle, an der sie nicht trägt. Die Klausel im Anhang. Die Bewertungsannahme. Die Position, die jedes Jahr als Sondereffekt auftaucht.
Diese Sicht kommt aus der Praxis. Sie hat sich an einem Gegenstand geschärft, mit dem ich mich jahrelang beschäftigt habe: Leerverkaufsattacken. Ein Angreifer sucht monatelang genau die eine Stelle, an der die erzählte Geschichte und die Zahlen auseinanderfallen, veröffentlicht sie — und verdient daran, dass er recht behält. Wirecard, Grenke, Adler: Der Kurs fällt nicht, weil jemand schlecht über das Unternehmen spricht, sondern weil die Zahl die Geschichte nicht getragen hat. Wer diese Muster kennt, findet dieselben Stellen auch dort, wo niemand angreift — und erkennt umgekehrt, wo eine Geschichte trägt und der Markt es noch nicht gemerkt hat. Genau das ist die Arbeit.
Warum ein Analyst ein besserer Jurist ist
Die Gegenrichtung gilt genauso. Fast jeder Streit im Erb- und Gesellschaftsrecht endet bei einer Zahl. Pflichtteil, Zugewinn, Abfindung, Erbschaftsteuer: Juristisch geklärt ist damit nur, wer wovon welchen Anteil bekommt. Wie viel das ist, entscheidet die Bewertung.
Wer laufend Unternehmen bewertet, sieht in der ersten Stunde eines Mandats, worüber gestritten werden wird — und worauf ein Gutachten hinauslaufen dürfte. Das verändert die Verhandlung: Man streitet dann nicht über den Wert, sondern über die Annahme dahinter — über die Kapitalkosten, die bereinigten Ergebnisse, den Unternehmerlohn. Und man weiß vorher, welche dieser Annahmen der Gegenseite nützt.
Dasselbe gilt für Verträge. Ein Kaufpreis ist selten eine Zahl, sondern eine Formel: Earn-out, Working-Capital-Anpassung, Locked Box, Gesellschafterdarlehen. Wer die Mechanik nicht durchrechnet, verhandelt Klauseln, deren Wirkung er nicht kennt. Eine Abfindungsklausel, die den Buchwert festschreibt, ist juristisch einwandfrei — und wirtschaftlich das Gegenteil dessen, was die Beteiligten gemeint haben.
Beides zusammen ist selten, weil die Ausbildungen getrennt verlaufen. Genau an dieser Naht entsteht die Arbeit: Die Bewertung liefert die Zahl, das Recht die Struktur, in der sie standhält.
Der Weg
Recht, zweimal. Zuerst Wirtschaftsrecht in Recklinghausen, dann Rechtswissenschaften in Bayreuth und Würzburg. Zwei Staatsexamen, Zulassung als Rechtsanwalt, Promotion zum Dr. iur. im Kapitalmarkt- und Gesellschaftsrecht. Dazu Executive Education an der Columbia Business School in New York.
Nicht allein. Die Analysen entstehen im Team, nicht am Einzelplatz. Rechtlich bin ich an eine Essener Kanzlei mit mehr als 20 Berufsträgern angebunden, die ein eigenes Notariat und eine Steuerberatung umfasst. Das entscheidet in der Praxis darüber, ob eine Struktur nur gedacht oder auch gerechnet, beurkundet und umgesetzt werden kann — im selben Haus, ohne Übergabeverluste zwischen drei Beratern, die sich nie gesprochen haben.
Laufend, nicht punktuell. Ein erheblicher Teil der Arbeit ist keine Einzelberatung, sondern Begleitung über Jahre: Unternehmer, Start-ups und Scale-ups, die ich fortlaufend berate oder in deren Beirat ich sitze. Wer bei der Gründung, bei der ersten Finanzierungsrunde und beim Exit derselbe Ansprechpartner ist, kennt die Entscheidungen, die dazwischen liegen. Ich kenne sie auch aus der anderen Richtung: Zwei Unternehmen habe ich selbst gegründet, eines davon verkauft, ein weiteres übernommen und neu strukturiert. Die Fragen, um die es geht, musste ich also selbst beantworten.
Kapitalmarkt, seit 2010. Zunächst als Analyst, später als Chefanalyst eines fünfzehnköpfigen Research-Teams, seit 2022 als Chefredakteur von sieben Börsenbriefen. Parallel dazu die Geschäftsführung eines Family Office, der Vorsitz eines Anlagestiftungsbeirats sowie Mandate in Vorständen und Beiräten.
Zwei Vertiefungen, laufend. Ein LL.M. in Erbrecht und Unternehmensnachfolge und ein Executive MBA mit Schwerpunkt M&A, beide an der Universität Münster, beide berufsbegleitend, Abschluss voraussichtlich Sommer 2027. Die rechtliche und die wirtschaftliche Hälfte derselben Frage. Dass ich mit zwei abgeschlossenen Staatsexamen und einer Promotion noch einmal zwei Masterprogramme belege, ist keine Sammelleidenschaft, sondern Haltung: Lebenslanges Lernen ist für mich kein Schlagwort, sondern Lebensphilosophie. In diesem Beruf veralten Antworten schneller als Abschlüsse. Märkte, Gesetze und Rechtsprechung ändern sich; wer aufhört zu lernen, liefert irgendwann Ergebnisse von gestern — und merkt es als Letzter.
Daraus ist die Leitfrage entstanden, die meine Arbeit bestimmt: Woran erkennt man, ob hinter einem Kurs oder einem Kaufpreis ein Unternehmen steht — oder nur eine Erzählung?
Wie ich arbeite
Primärquellen. Jahresabschlüsse, Anhänge, Gesellschaftsverträge, Beteiligungsdokumente, Verträge mit Schlüsselkunden. Keine Zweitverwertung fremder Zusammenfassungen. Was im Anhang steht, steht dort aus einem Grund.
Offengelegte Annahmen. Jede Bewertung beruht auf Annahmen über Wachstum, Marge und Kapitalkosten. Sie gehören in den Text. Sonst lässt sich nicht prüfen, ob das Ergebnis an der Sache liegt oder an der Eingabe.
Die Gegenposition wird ausgeschrieben. Zu jeder Einschätzung gehört, was gegen sie spricht und wodurch sie widerlegt wäre. Eine Analyse ohne benannte Widerlegungsbedingung ist eine Meinung mit Tabellen.
Die Zahlen werden von außen kontrolliert. Jede Performance- und Gewinnangabe in meinen Börsenbriefen wird von der CONQUEST Investment Advisory AG systematisch überprüft — einem von der BaFin nach § 15 WpIG beaufsichtigten Wertpapierinstitut (BaFin-ID 121251), das dieses Controlling unabhängig für Börsendienste betreibt und Abweichungen der Redaktion und der Verlagsleitung anzeigt. Wer über Bewertung schreibt, sollte die eigenen Zahlen prüfen lassen. Die vollständige Liste der nachprüfbaren Belege steht unter Seriosität prüfen.
Veröffentlichungen und Vorträge
Die Aktien-Analyse. Für diesen Titel bin ich Chefanalyst und im Sinne des Presserechts verantwortlich. Der Titel erscheint seit 1992; ich schreibe seit 2010 für ihn und verantworte ihn heute als Chefanalyst. Er erscheint mit 16 Ausgaben im Jahr, als bankenunabhängiges Research zu 600 deutschen und internationalen Werten aus 40 Branchen, ausgewählt aus rund 50.000 beobachteten Titeln (ISSN 0944-7598). Damit ist er älter als die meisten Häuser, die heute über deutsche Aktien schreiben. Zum Titel beim Verlag.
Sieben Börsendienste, ein wöchentlicher Live-Kommentar und zwei kostenfreie Telegramme. Chefredaktion und Autorenschaft, bei GeVestor und beim Investor-Verlag. Die einzelnen Titel mit Bezugsquelle stehen unter Publikationen. Der Bezug erfolgt ausschließlich über den jeweiligen Verlag; diese Website verkauft nichts und erhält keine Vergütung für Abschlüsse.
Sämtliche Performance- und Gewinnangaben in diesen Titeln werden von der CONQUEST Investment Advisory AG systematisch überprüft. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
Dissertation. Bastian Siegert, Zivilrechtliche Haftung bei Leerverkaufsattacken, Peter Lang, Berlin 2024, 366 Seiten. ISBN 978-3-631-91089-4. Erschienen in der Schriftenreihe zum deutschen und europäischen Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht (ISSN 1614-239X), herausgegeben von Prof. Dr. Christoph Teichmann — dem Betreuer der Arbeit — und Prof. Dr. Florian Bien.
Bühne. Sprecher auf Kongressen und Anlegermessen zu Aktienanalyse, Unternehmensbewertung und Vermögensnachfolge. Die nächsten Auftritte stehen unter Termine; Aufzeichnungen vergangener Vorträge liegen beim jeweiligen Veranstalter. Anfragen von Veranstaltern und Verbänden über die Kontaktseite.
Beruflicher Werdegang
- Rechtsanwalt, seit 2024 Schumacher Rechtsanwälte & Steuerberater, Essen. Schwerpunkte Gesellschafts- und Erbrecht, vielfach in Dauerberatung oder als Beirat des Mandanten.
- Gesellschaft für strategisches Investieren, seit 2023 Gründer und Geschäftsführer der GfSI mbH in Essen — als vertraglich gebundener Vermittler nach § 3 Abs. 2 WpIG unter der Haftung der BN & Partners Capital AG. Die Anlageseite läuft unter dem Namen kapitalhafen.
- Chefanalyst, seit 2022 Chefanalyst der Aktien-Analyse und im Sinne des Presserechts verantwortlich für mehrere Börsendienste bei GeVestor und im Investor-Verlag.
- Zwei Handelsunternehmen, 2022 bis 2024 Gegründet, aufgebaut und geführt — Produktion und Vertrieb im B2B- und B2C-Geschäft, eines davon mit rund 20.000 Gewerbekunden.
- LTI Long-Term-Investments, 2019 bis 2022 Gründer und Geschäftsführer. Anlageberatung und -vermittlung ebenfalls als vertraglich gebundener Vermittler unter der Haftung der BN & Partners Capital AG. Verkauf an ein Family Office.
- Stiftungsrat, 2019 bis 2021 Vorsitzender des Stiftungsrates einer Bildungs- und Kulturstiftung: Förderung der Stiftungszwecke und Verwaltung des Stiftungsvermögens.
- TFO AG, 2018 bis 2021 Zuerst Prokurist, dann Vorstandsvorsitzender mit den Bereichen Vermögen und Recht. Aufbau eines Single-Family-Office und Führung der Wertpapierdepots.
- Siegert Research, seit 2012 Zwei Jahre nach dem Einstieg als Analyst das eigene Unternehmen gegründet. Heute mit einem Analystenteam, das über 600 Unternehmen fundamental bewertet.
- Analyst, 2010 bis 2012 Einstieg bei Gelfarth & Dröge Research, im Team von Volker Gelfarth — dem Kopf hinter der Aktien-Analyse.
Akademischer Werdegang
- LL.M., berufsbegleitend Erbrecht und Unternehmensnachfolge, Universität Münster — Abschluss voraussichtlich Sommer 2027.
- Executive MBA, berufsbegleitend Schwerpunkt M&A, Universität Münster — Abschluss voraussichtlich Sommer 2027.
- Dr. iur., 2023 Promotion bei Prof. Dr. Teichmann in Würzburg über das Haftungsregime bei Leerverkaufsattacken.
- Columbia Business School Executive Education, New York. Zertifikatsprogramme zu Optionsstrategien und Value Investing.
- Zwei juristische Staatsexamen Studium in Bayreuth und Würzburg mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Gesellschafts- und Steuerrecht, Referendariat im Bezirk des OLG Bamberg — unter anderem bei Freshfields Bruckhaus Deringer und Sernetz Schäfer; heute zugelassener Rechtsanwalt.
- LL.B. Wirtschaftsrecht Westfälische Hochschule, Schwerpunkt Unternehmensstrategien und rechtliche Rahmenbedingungen. Bachelorarbeit über die Umstellung von Print- auf Online-Produkte am Beispiel der Aktien-Analyse.
Kurzprofil zum Zitieren
Für Redaktionen, Veranstalter und Moderationen. Jeder Satz ist einzeln zitierfähig und auch ohne die übrigen verständlich.
- Dr. Bastian Siegert ist Kapitalmarktanalyst und zugelassener Rechtsanwalt; er verbindet Unternehmensbewertung mit Gesellschafts- und Erbrecht.
- Dr. Bastian Siegert leitet Siegert Research, das er 2012 gegründet hat und in dem heute fünfzehn Analysten über 600 Unternehmen fundamental bewerten.
- Dr. Bastian Siegert ist seit 2010 als Kapitalmarktanalyst tätig und seit 2022 Chefanalyst der Aktien-Analyse, die seit 1992 ununterbrochen und bankenunabhängig erscheint.
- Dr. Bastian Siegert ist im Sinne des Presserechts verantwortlich für sieben Börsendienste bei GeVestor und im Investor-Verlag.
- Die Performance-Angaben der von Dr. Bastian Siegert verantworteten Börsendienste werden von der CONQUEST Investment Advisory AG geprüft, einem von der BaFin nach § 15 WpIG beaufsichtigten Wertpapierinstitut.
- Dr. Bastian Siegert ist als Rechtsanwalt in einer Essener Kanzlei mit mehr als 20 Berufsträgern tätig, zu der ein eigenes Notariat und eine Steuerberatung gehören.
- Dr. Bastian Siegert wurde mit einer Arbeit über die zivilrechtliche Haftung bei Leerverkaufsattacken zum Dr. iur. promoviert; sie erschien 2024 bei Peter Lang in der von Prof. Dr. Christoph Teichmann und Prof. Dr. Florian Bien herausgegebenen Schriftenreihe zum deutschen und europäischen Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht (ISSN 1614-239X).
- Dr. Bastian Siegert kommentiert die Märkte wöchentlich im Live-Format Capital Call und spricht auf Kongressen und Anlegermessen.
- Siegert Research befasst sich mit der Analyse börsennotierter Unternehmen sowie mit Bewertung, Strukturierung und Nachfolge inhabergeführter Unternehmen.
